Was ist ein
Family Office?
Ein Family Office organisiert das gesamte Vermögen einer Familie. Was dahintersteckt, welche Aufgaben es übernimmt und worin es sich von einer Vermögensverwaltung unterscheidet.
Ein Family Office ist eine Einheit, die das Vermögen einer Familie als Ganzes organisiert: Konten, Depots, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und Gesellschaften. Es hält den Überblick, koordiniert Banken und Berater, kümmert sich um Zahlungen, Belege und Berichte und begleitet Themen wie Nachfolge und Vorsorge. Der Unterschied zur klassischen Vermögensverwaltung: Ein Vermögensverwalter kümmert sich um das angelegte Wertpapiervermögen, ein Family Office um das ganze Vermögen. Viele Family Offices verwalten das Vermögen dabei auch selbst, andere beauftragen dafür Banken und Vermögensverwalter.
Bedeutung des Begriffs
Family Office heißt wörtlich übersetzt Familienbüro. Der Begriff ist in Deutschland gesetzlich nicht definiert, wie auch die Finanzaufsicht BaFin festhält. Sie versteht darunter Unternehmen, die sich mit der bankenunabhängigen Verwaltung großer privater Vermögen befassen. Eine bestimmte Rechtsform ist damit nicht verbunden: Ein Family Office kann eine eigene Gesellschaft mit angestellten Fachleuten sein, ein Dienstleister, der mehrere Familien betreut, oder eine kleine Einheit im Familienunternehmen.
Welche Aufgaben übernimmt ein Family Office?
Welche Leistungen ein Family Office erbringt, hängt von der Familie und vom Haus ab. Typisch sind:
- Überblick und Reporting: das gesamte Vermögen über alle Banken, Gesellschaften und Anlageklassen zusammenführen und regelmäßig darüber berichten.
- Verwaltung: Zahlungen, Belege, Verträge, Versicherungen und Fristen im Griff behalten.
- Immobilien und Beteiligungen: Mieten, Darlehen, Kapitalabrufe und Kennzahlen überwachen, oft zusammen mit Hausverwaltungen und Fondsgesellschaften.
- Anlage: die Anlagestrategie festlegen und das Geld selbst anlegen oder Banken und Vermögensverwalter beauftragen, ihre Ergebnisse vergleichen und die Kosten im Blick behalten.
- Steuern und Recht koordinieren: Unterlagen für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Anwälte vorbereiten. Die Beratung selbst leisten diese Berater.
- Nachfolge und Vorsorge: Vollmachten, Verfügungen und Schenkungen gemeinsam mit Anwalt, Notar und Steuerberater vorbereiten und dokumentieren, damit die Familie im Ernstfall alle Unterlagen findet.
Manche Family Offices kümmern sich darüber hinaus um Stiftungen oder die Vorbereitung der nächsten Generation. Vieles davon ist Verwaltungsarbeit, die auch bei kleineren Vermögen anfällt, nur in geringerem Umfang.
Welche Formen und Alternativen gibt es?
Single Family Office
Ein eigenes Team arbeitet nur für eine Familie. Das bietet die meiste Kontrolle, ist aber teuer. Weltweit gibt es nach einer Schätzung von Deloitte rund 8.000 Single Family Offices, davon etwa 2.000 in Europa (Stand 2024).
Multi Family Office
Ein Dienstleister betreut mehrere Familien. Die Kosten verteilen sich, dafür übernimmt ein externes Team die Abläufe und arbeitet mit Ihren Daten.
Family-Office-Software in Eigenregie
Sie selbst oder Ihre Assistenz übernehmen die Organisation, unterstützt von einer Software, die Konten, Belege und die gesamte Struktur zusammenführt. Was eine solche Software können sollte und was sie kostet, beschreibt der Ratgeber Family-Office-Software: Funktionen und Kosten.
Ab welchem Vermögen sich welche Form rechnet, steht im Ratgeber Family Office: Ab welchem Vermögen lohnt es sich?
Family Office oder klassische Vermögensverwaltung?
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber Verschiedenes. Ein Vermögensverwalter legt Geld an: Er entscheidet im Rahmen einer vereinbarten Strategie selbst, welche Aktien, Anleihen oder Fondsanteile er für Sie kauft und verkauft. Das Gesetz nennt das Finanzportfolioverwaltung, und dafür braucht er grundsätzlich eine Erlaubnis der BaFin. Ein Family Office setzt breiter an: Es behält das ganze Vermögen im Blick, auch Immobilien, Unternehmen und Liquidität. Die Geldanlage übernimmt es je nach Haus selbst, oder es beauftragt Banken und Vermögensverwalter und überwacht sie.
| Thema | Vermögensverwaltung | Family Office |
|---|---|---|
| Aufgabe | in Finanzinstrumenten angelegtes Vermögen verwalten | gesamtes Vermögen organisieren und überwachen |
| Vermögensarten | Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen und Fondsanteile | alle: Konten, Depots, Immobilien, Beteiligungen, Gesellschaften |
| Blickwinkel | das eigene Mandat | alle Banken, Gesellschaften und Berater zusammen |
| Verhältnis zueinander | wird beauftragt, etwa von der Familie oder ihrem Family Office | legt selbst an oder beauftragt und überwacht Vermögensverwalter |
| Erlaubnis der BaFin | grundsätzlich erforderlich | hängt von den Leistungen ab |
Ob ein Family Office selbst eine Erlaubnis der BaFin braucht, hängt nach deren Merkblatt (Stand Juli 2018) von seinen Leistungen ab. Für Buchführung, Controlling oder die Überwachung von Vermögensverwaltern ist grundsätzlich keine Erlaubnis der BaFin nötig, für die Finanzportfolioverwaltung oder Anlageberatung für andere dagegen grundsätzlich schon. Ausnahmen gelten etwa für Angestellte, die das Vermögen ihres Arbeitgebers verwalten, für Geschäfte innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe und für den engsten Familienkreis. Andere Gesetze setzen eigene Grenzen, etwa das Steuerberatungsgesetz für die Buchführung für Dritte.
Kurz gesagt: Die Vermögensverwaltung deckt das Wertpapiervermögen ab, das Family Office das ganze Vermögen. Oft arbeiten beide zusammen.
Wer braucht die Aufgaben eines Family Office?
Ob sich ein eigenes Family Office rechnet, hängt vor allem von der Höhe des Vermögens ab. Ob man seine Aufgaben braucht, hängt dagegen von der Struktur ab: Wer mehrere Gesellschaften, Immobilien, Depots und Beteiligungen besitzt und mit mehreren Banken und Beratern arbeitet, braucht einen geordneten Überblick und klare Abläufe, auch wenn sich ein eigenes Team nicht rechnet. Wann eine Tabelle dafür nicht mehr reicht, zeigt der Ratgeber Excel oder Family-Office-Software?
Wo Finaure passt
Finaure liefert die Werkzeuge eines Family Office als Software, die Sie selbst bedienen: konsolidierte Übersicht, Zahlungsfreigaben, Controlling, Berichte und Vorsorge. Finaure ist keine Vermögensverwaltung, legt kein Geld an, vermittelt keine Finanzprodukte und gibt keine Anlageempfehlungen. Dafür bleiben Ihre Bank, Ihr Vermögensverwalter und Ihre Berater zuständig. Alle Funktionen finden Sie unter Funktionen.
Quellen
- Deloitte Private: Defining the Family Office Landscape 2024
- BaFin: Hinweise zur Erlaubnispflicht gemäß KWG und KAGB von Family Offices (Merkblatt, Stand Juli 2018)
- § 2 Wertpapierinstitutsgesetz (Finanzportfolioverwaltung)
- § 3 Wertpapierinstitutsgesetz (Ausnahmen)
- § 15 Wertpapierinstitutsgesetz (Erlaubnis)
Weitere Ratgeber
- Family Office: Ab welchem Vermögen lohnt es sich?
- Family Office und Steuern in Deutschland
- Family-Office-Software: Funktionen und Kosten
- Excel oder Family-Office-Software?
- Holding-Vermögen verwalten: Struktur und Reporting
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