Private Equity:
Abrufe und Zusagen im Blick.
Wie Private-Equity-Fonds Kapital abrufen, warum offene Zusagen in die Liquiditätsplanung gehören, was Kennzahlen wie TVPI und IRR zeigen und was eine Software dafür können sollte.
Wer sich an einem geschlossenen Private-Equity-Fonds beteiligt, zahlt in der Regel nicht auf einmal ein: Er sagt einen Betrag zu, und der Fonds ruft das Geld über mehrere Jahre in Teilbeträgen ab, jeweils mit einer Zahlungsfrist. Eine Software für Private-Equity-Beteiligungen sollte deshalb je Fonds Zusage, Abrufe, Ausschüttungen und Bewertungen festhalten, die noch offenen Zusagen zeigen und rechnen, ob die Liquidität für die erwarteten Abrufe reicht.
Wer mehrere Fonds hält, privat oder über eigene Gesellschaften, bekommt Abrufe, Ausschüttungen und Berichte von jedem Fonds einzeln. Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick (Stand Oktober 2026) und ist keine Anlageberatung.
Wie ein Fonds Kapital abruft
Mit der Kapitalzusage, englisch Commitment, verpflichtet sich der Anleger, auf Abruf Kapital bis zu einem festen Betrag einzuzahlen. Der Fonds ruft dieses Geld typischerweise in den ersten Jahren seiner Laufzeit in Teilbeträgen ab, wenn er es für Beteiligungen, Kosten und Verwaltungsgebühren braucht. Wann und wie viel er abruft, entscheidet in der Regel der Fondsmanager im Rahmen des Fondsvertrags. Verkauft der Fonds später Beteiligungen oder wird er am Ende aufgelöst, fließt Geld als Ausschüttung zurück.
Wie viel Zeit zwischen Abrufschreiben und Zahlung liegt, regelt der Fondsvertrag. Der Mustervertrag des internationalen Verbands institutioneller Fondsanleger ILPA sieht mindestens zehn Geschäftstage vor. Er erlaubt Abrufe auch nach der Investitionsphase, etwa für Kosten und Folgeinvestitionen. Gebunden ist das Kapital nach Angaben des Verbands meist mehr als zehn Jahre.
Offene Zusagen gehören in die Liquiditätsplanung
Die offene Zusage ist der Teil der Zusage, den der Anleger noch nicht eingezahlt hat. Soweit der Fondsvertrag den Abruf erlaubt, muss er sie auf Abruf zahlen. Dass ein Anleger einen Abruf nicht bedient, ist nach Angaben der Europäischen Zentralbank selten, hat aber ernste Folgen, etwa einen kleineren Anteil oder den Ausschluss aus dem Fonds.
Weil Zeitpunkt und Höhe der Abrufe beim Fonds liegen, muss die Liquidität für künftige Abrufe geplant werden. Schwierig wird das vor allem in einem Abschwung, wenn die Ausschüttungen sinken, aus denen Anleger neue Abrufe sonst bezahlen, und noch mehr, wenn sie dafür liquide Wertpapiere mit deutlichem Abschlag verkaufen müssen. Der Verband empfiehlt, dass Fonds ihren Anlegern Quartalsprognosen zu Abrufen und Ausschüttungen geben. Wer mehrere Fonds hält, braucht die Summe der offenen Zusagen über alle Fonds und Gesellschaften hinweg.
Bewertung und Kennzahlen
Die ILPA empfiehlt Fonds, quartalsweise zu berichten, spätestens 60 Tage nach Quartalsende und 120 Tage nach Geschäftsjahresende, Dachfonds später. Für geschlossene Fonds nach deutschem Recht schreibt das Kapitalanlagegesetzbuch grundsätzlich mindestens eine Bewertung im Jahr vor (§§ 272, 286 KAGB). Der Nettoinventarwert in Ihrer Übersicht bezieht sich deshalb immer auf einen zurückliegenden Stichtag. Aus Zahlungen und Nettoinventarwert ergeben sich die üblichen Kennzahlen:
| Kennzahl | Berechnung | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| Eingezahltes Kapital (Paid-in) | Summe der bezahlten Abrufe | wie viel der Zusage schon geflossen ist |
| Offene Zusage (Unfunded) | zugesagt, aber noch nicht eingezahlt | was der Fonds noch abrufen kann |
| DPI | Ausschüttungen geteilt durch eingezahltes Kapital | wie viel schon zurückgeflossen ist |
| RVPI | Wert der verbliebenen Beteiligungen geteilt durch eingezahltes Kapital | wie viel noch im Fonds steckt |
| TVPI | Ausschüttungen plus Restwert, geteilt durch eingezahltes Kapital | das Vielfache des eingezahlten Kapitals, die Summe aus DPI und RVPI |
| IRR | Zinssatz, bei dem der Barwert aller Zahlungen, mit dem Restwert als Endwert, null ergibt | die jährliche Rendite, abhängig vom Zeitpunkt der Zahlungen |
Ein Beispiel: Sie haben 1 Million Euro zugesagt, 600.000 Euro davon sind abgerufen und bezahlt. Der Fonds hat 200.000 Euro an Sie ausgeschüttet, Ihr Anteil am Nettoinventarwert beträgt 700.000 Euro. Dann liegt die offene Zusage bei 400.000 Euro, der DPI bei 0,33 (200.000 ÷ 600.000), der RVPI bei 1,17 (700.000 ÷ 600.000) und der TVPI bei 1,5 (900.000 ÷ 600.000). Von jedem eingezahlten Euro sind also 33 Cent zurückgeflossen, insgesamt steht Ihre Beteiligung beim 1,5-Fachen des eingezahlten Kapitals.
Wie lange das gedauert hat, zeigt der TVPI nicht, das berücksichtigt der IRR. Die ILPA empfiehlt Fonds, ihren Netto-IRR aus den Zahlungen aller gebührenzahlenden Anleger zu berechnen, nach allen Gebühren, Kosten und Erfolgsbeteiligungen. Ein IRR aus Ihren eigenen Zahlungen kann davon abweichen.
Die J-Kurve
Trägt man die Rendite eines Fonds über seine Laufzeit auf, ergibt sich typischerweise eine J-Form. Verwaltungsgebühr und Anlaufkosten werden üblicherweise aus dem ersten Abruf bezahlt, ohne dass ein gleich hoher Wert entsteht, deshalb ist die Rendite anfangs negativ. Mit den ersten Verkäufen steigt sie deutlich. Erst nach etwa drei bis fünf Jahren gibt der IRR einen brauchbaren Hinweis auf den endgültigen, bei Buyout-Fonds meist früher als bei Fonds für Früh- und Wachstumsphasen. In den ersten Jahren sagt er also wenig über den Erfolg eines Fonds aus.
Worauf Sie bei einer Software achten sollten
- Zusagen: Zeigt sie die offene Zusage je Fonds und über alle Fonds und Gesellschaften?
- Fristen: Erinnert sie rechtzeitig vor der Fälligkeit eines Abrufs?
- Dokumente: Liest sie Abrufschreiben, Ausschüttungsmitteilungen und Fondsberichte aus, mit einem Prüfschritt?
- Zahlungen: Erkennt sie die Überweisung auf dem Konto und ordnet sie dem Abruf zu?
- Liquidität: Stellt sie die erwarteten Abrufe Ihren Kontoständen und Kreditlinien gegenüber, auch in ungünstigen Szenarien?
- Kennzahlen: Rechnet sie TVPI, DPI und IRR aus Ihren eigenen Zahlungen und zeigt daneben die Werte des Fonds?
- Gesamtbild: Stehen die Fonds neben Immobilien, Depots und Gesellschaften, umgerechnet in eine Berichtswährung?
So behält Finaure Fonds und Zusagen im Blick
Im Bereich Beteiligungen erfassen Sie Private-Equity-Fonds neben direkten Beteiligungen, mit Zusage, Auflagejahr, Fondsmanager und Strategie. Zu jedem Fonds halten Sie Kapitalabrufe, Ausschüttungen und Gebühren mit Datum und Fälligkeit fest. Oben auf der Seite sehen Sie den Gesamtwert, das eingezahlte Kapital, die offenen Abrufe mit der nächsten Fälligkeit und die Ausschüttungen, Fonds in Fremdwährung umgerechnet in Ihre Berichtswährung.
Abrufschreiben, Ausschüttungsmitteilungen und Fondsberichte liest SmartUpload aus. Für die wichtigsten Felder zeigt Finaure an, wie sicher die KI ist, Sie können jeden angezeigten Wert korrigieren, und Finaure warnt, wenn etwas nicht zusammenpasst, etwa wenn ein Abruf zusammen mit den bisherigen die Zusage übersteigen würde oder die Währung nicht zum Fonds passt. Ist das Schreiben einem Ihrer Fonds zugeordnet, wird aus einem Abrufschreiben ein offener Abruf mit Fälligkeit und Zielkonto und aus einem Fondsbericht der neue Nettoinventarwert mit den Kennzahlen zum Stichtag.
Rückt die Fälligkeit eines Abrufs auf 14 Tage heran, legt Finaure eine Aufgabe an. Ist der Abruf bei Fälligkeit noch nicht als bezahlt markiert, folgt eine weitere. Ist der letzte Wert eines Fonds älter als sechs Monate, erinnert Finaure an ein Update. Jede dieser Erinnerungen lässt sich in den Einstellungen abschalten. Erscheint die Zahlung auf einem Konto der Person oder Gesellschaft, der der Fonds gehört, schlägt Finaure die passende Abbuchung vor, anhand von Betrag, Datum, Empfänger und der IBAN aus dem Abrufschreiben. Nach Ihrer Bestätigung gilt der Abruf als bezahlt, und die offene Zusage sinkt. Ausschüttungen gleicht Finaure ebenso mit den Eingängen ab.
SmartPortfolio schätzt, welche Abrufe und Ausschüttungen in den nächsten 12, 24 oder 36 Monaten zu erwarten sind, je Quartal. Die zeitliche Verteilung beruht auf vereinfachten Standardverläufen je Anlageklasse, etwa Buyout, Venture Capital oder Private Debt, nicht auf Planzahlen der Fonds. Erfasste Abrufe ersetzen im jeweiligen Quartal den geschätzten Wert des Fonds. Sie können durchspielen, was passiert, wenn alle offenen Zusagen innerhalb von 12, 18 oder 24 Monaten abgerufen werden oder die Ausschüttungen nur halb so hoch ausfallen. Finaure vergleicht das mit Ihren Kontoständen und den Kreditlinien Ihrer Konten, abzüglich einer Reserve, die Sie selbst festlegen, und zeigt, ab welchem Quartal eine Lücke entstehen würde. Die erwarteten Abrufe und Ausschüttungen fließen auch in die Liquiditätsvorschau ein.
Je Fonds zeigt Finaure Zusage, eingezahltes Kapital, offene Zusage, Nettoinventarwert, TVPI, DPI, RVPI und einen eigenen IRR: berechnet aus Ihren bezahlten Abrufen und Ausschüttungen, mit dem Nettoinventarwert als Endwert. Daneben steht der IRR, den der Fonds meldet, sofern er hinterlegt ist. Den Verlauf Ihrer kumulierten Zahlungen, bisher und geschätzt, zeigt Finaure für alle Fonds zusammen oder für jeden einzeln.
Gespeichert werden Ihre Daten in einem Rechenzentrum in der EU (Region Frankfurt), Details unter Sicherheit. Wie die Fonds neben Immobilien, Depots und Gesellschaften in der Vermögensübersicht stehen, zeigen die Funktionen.
Quellen
- ILPA: Principles 3.0 (2019)
- ILPA: Model Limited Partnership Agreement (2020)
- ILPA: Private Equity 101
- ILPA: Private Equity Glossary (DPI, RVPI, TVPI, J-Kurve)
- ILPA: Performance Template Definitions (2025)
- ILPA: Reporting Template v2.0, Suggested Guidance (2025)
- ILPA: Guidance on Disclosures Related to Subscription Lines of Credit (2020)
- Europäische Zentralbank: Financial Stability Review, Mai 2024 („Private markets, public risk?“)
- § 272 Kapitalanlagegesetzbuch
- § 286 Kapitalanlagegesetzbuch
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